Das unschuldige Leid

Ökumenische Hospizhilfe Südliche Bergstraße e.V.
Vortrag von Prof. Dr. Sigfried Zimmer

MI.Es sind nicht nur die erschütternden weltumfassenden Ereignisse wie Kriege, Naturkatastrophen, Attentate und dergleichen, sondern vor allem die persönlichen Schicksale wie Krankheit, Unfälle oder Tod, die bei den Menschen immer wieder die Frage aufkommen lassen: Warum lässt Gott das zu?

Das Interesse an dem von der Hospizhilfe Südliche Bergstrasse e.V. organisierten Vortrag des Theologieprofessors Dr. Sigfried Zimmer zu diesem Thema war groß, der Laurentiussaal voll besetzt.

Wie passt die Liebe und Gnade Gottes in unsere Zeit? Wie kann man in unserer Zeit an einen gütigen Gott glauben? Die Frage nach dem unschuldigen Leid, so Prof. Zimmer, sei die schwerste überhaupt. Doch welche Antworten gibt es auf die Frage, warum Gott unschuldiges Leid zulässt? Tradierte Glaubenseinstellung wie "die Strafe Gottes" oder "Leid kommt durch die Sünde" lehnt Prof. Zimmer kategorisch ab. Er hält dies für leichtsinnige, oberflächliche Behauptungen, für Halbwahrheiten, die nicht weiterhelfen würden.

In einer Umfrage bei seinen Studenden hat er viele unterschiedliche Aussagen zu diesen Fragen erhalten. Eine schlüssige Antwort darauf, so sein Fazit, gibt es nicht, auch nicht von ihm. Schon seit mehr als 1000 Jahre haben sich Gelehrte und Philophen damit beschäftigt und unterschiedliche Theorien aufgestellt, ohne jedoch die Frage beantworten zu können. „Es gibt darauf keine Antwort. Wenn überhaupt, werden wir sie nach dem Tod erfahren. Es gibt Quellen der Hoffnung, aber keine Antwort.” Er verweist auf das Neue Testament: „Nach dem Tod wird uns Gott alle wichtigen Fragen beantworten.” Die sei jedoch keine billige Jenseitsvertröstung. Auch das Wort weiterleben nach dem Tod sei eine falsche Definition. Der Tod sei ein Wechsel in eine andere Welt, in der es keine Naturgesetze gebe. Zeit und Raum seien nicht existent.

Wohl aber sei die Klage berechtigt, sie sei eine angemessene Äußerung auf massives Leid. In der Bibel gebe es mehr Klagepsalmen als Lobpsalmen. „Wenn die Not uns stumm macht, hat sie gewonnen.” Doch die Verfasser der Psalmen überlassen der Klage nicht das ganze Feld. Sie seien auch ein Bekenntnis der Zuversicht. Leidende hätten ein Recht auf Klage. Dies gelte jedoch nicht für Wehleidigkeit oder Selbstmitleid.

Auf die thematische Frage des Vortrages gab es, wie zu erwarten war, natürlich auch keine Antwort aber durchaus gezielte Denkanstöße, wie man mit Leid umgehen kann. Dazu die mahnenden Sätze, den Glauben nicht zu benutzen, um in die Irre zu führen. „Was du einem Schwerleidenden nicht ins Gesicht sagen kannst, soll Dir im Hals stecken bleiben.”

Im Anschluss an den eindrucksvollen Vortrag waren Fragen aus dem Publikum möglich, wovon bei dem hochinteressanten Thema reichlich Gebrauch gemacht wurde. Die Moderation übernahm Pfarrrerin Sandra Alisch. Eine musikalische Umrahmung gestalteten die Cellisten Tanja Jung und Jörg Buff.